Energiestrategie 2050

Ein Kreuzchen, das den Ausschlag gibt

Von Tobias Lemser · 2018

Energiestrategie 2050 Volkes Stimme entscheidet über die Energiestrategie 2050. Raus aus der Atomenergie und hin zu den Erneuerbaren? Und wie wird sich der Energieverbrauch insbesondere in Gebäuden entwickeln?

Nur noch sechs Wochen verbleiben den Befürwortern und Gegnern der Energiestrategie 2050, um noch Unschlüssige auf ihre Seite zu ziehen: Am 21. Mai fällt endgültig die Entscheidung, welche Richtung die Schweizer Energiepolitik zukünftig einschlagen wird. Fakt ist: Auch wenn die Schweiz heute bereits über eine sichere und kostengünstige Energieversorgung verfügt, verändern wirtschaftliche und technologische Entwicklungen sowie politische Entscheide im In- und Ausland die Energiemärkte grundlegend. Um dafür gewappnet zu sein, hat der Bundesrat die Energiestrategie 2050 verabschiedet. Doch um welche Kernpunkte geht es überhaupt? Ziel ist es, die fünf bestehenden Schweizer Atomkraftwerke am Ende ihrer Laufzeit stillzulegen und den Bau neuer Atomkraftwerke zu verbieten. Ausserdem sollen erneuerbare Energien wie Wasser, Sonne oder Wind stärker gefördert – geplant ist ein Ausbau von drei auf mindestens 11,4 Terawattstunden – und der Energieverbrauch pro Person bis 2035 gegenüber dem Jahr 2000 um 43 Prozent gesenkt werden. 

Gebäudesanierung lohnt sich

Grosses Einsparpotenzial bietet insbesondere der Verkehrsbereich, weshalb die Vorschriften zum Kohlendioxid-Ausstoss für Neuwagen verschärft und erweitert werden. Demnach dürfen PW ab 2021 über die ganze Neuwagenflotte durchschnittlich nur noch 95 Gramm CO2 pro Kilometer ausstossen, was etwa 4,1 Liter Benzin pro 100 Kilometer entspricht – ein Viertel weniger als heute. 
Noch mehr Potenzial, den Energieverbrauch und somit den CO2-Ausstoss zu senken, sieht der Bund jedoch in Gebäuden und hat deshalb das Gebäudeprogramm aus dem Boden gestampft. Gebäude machen heute rund 40 Prozent des Gesamtenergiebedarfs der Schweiz aus. Kommt die Energiestrategie 2050 erfolgreich durchs Referendum, wird das Gebäudeprogramm, das zunächst bis 2019 befristet ist, weiterlaufen. 

Wärmepumpen und Isolierung

Doch was heisst das für jeden einzelnen? Fakt ist, dass Hauseigentümer einen Anreiz erhalten sollen, alte Gebäude energetisch zu sanieren. Wer beispielsweise in seinem Haus die Wände isoliert oder eine Ölheizung durch eine Wärmepumpe ersetzt, kann einen Zustupf beantragen. Das Besondere an Wärmepumpenheizungen: Sie versorgen die Heizkörper mit Wärme aus der Umgebung, so zum Beispiel aus dem Erdboden, der Luft oder dem Grundwasser. Rund 200`000 Elektro-Wärmepumpen laufen schweizweit bereits und produzieren rund 5`000 Gigawattstunden Wärme pro Jahr. Schätzungen zufolge werden im Jahr 2020 etwa 400'000 Wärmepumpen in Betrieb sein.

Sanieren lohnt sich

Abgesehen von der finanziellen Unterstützung: Gebäudesanierungen zahlen sich langfristig fast immer aus. Ob neue Fenster mit Dreifachverglasung, eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung oder Dachisolierung: Um zu sehen, worüber die meiste Wärme entweicht, kann sich eine Energieberatung bezahlt machen. Energieberater übernehmen nicht nur eine umfassende energetische Analyse, sondern zeigen zudem auf, welche Sanierungsmassnahmen am Gebäude sinnvoll sind und welche Ausgaben sich Eigenheimbesitzer sparen können.
Klar ist: Unabhängig davon, ob sich die Energiestrategie 2050 durchsetzen wird oder nicht, Fragen rund um die Energieerzeugung und Energieeffizienz werden uns auch in Zukunft begleiten. Da der zunehmende Bedarf an Energie nicht abreissen wird, muss es das Ziel sein, intelligente Energielösungen marktfähig zu machen – ein wichtiger Beitrag, um Ressourcen, Umwelt und Geldbeutel gleichermassen zu schonen.