Nachhaltige Gebäude

Ein langes Leben schont die Umwelt

Von Lisa-Marie Eckardt · 2018

Der Bau eines nachhaltigen Gebäudes soll Energie und Ressourcen sparen. Dafür zählt vor allem, dass es möglichst lange hält.

 

Den Verbrauch von Energie und Ressourcen minimieren, das ist das Ziel des nachhaltigen Bauens. Die Idee der Nachhaltigkeit basiert auf der Erkenntnis, dass ohne die Balance von Ökonomie, Ökologie und Gesellschaft der natürliche Lebensraum gefährdet ist und nicht für nachfolgende Generationen gesichert werden kann.

Mehr als die Reduzierung des Energiebedarfs

In der Schweiz wird nachhaltiges Bauen als eine ganzheitliche, zukunftstaugliche Entwicklung von Siedlungen und Infrastrukturen verstanden. Dabei werden Gebäude an sich sowie die Standorte im Kontext des Umfeldes betrachtet. In seiner «Strategie Nachhaltige Entwicklung» (SNE) hält der Bundesrat die politischen Stossrichtungen in Sachen Nachhaltigkeitspolitik fest. Ziel des Standards «Nachhaltiges Bauen Schweiz (SNBS)» ist es, die drei Dimensionen des nachhaltigen Bauens (Gesellschaft, Wirtschaft, Umwelt) gleichermassen und möglichst umfassend in Planung, Bau und Betrieb mit einzubeziehen. Dabei soll der gesamte Lebenszyklus einer Immobilie berücksichtigt werden.
Um objektive Aussagen über die nachhaltige Qualität eines Gebäudes machen zu können, muss die gesamte Lebensdauer eines Bauwerks betrachtet werden - von der Rohstoffgewinnung über die Errichtung bis zum Rückbau. Als durchschnittliche Nutzungszeit eines Hauses werden etwa 50 bis 100 Jahre angenommen. Es gilt sämtliche Einflussfaktoren zu optimieren: den Energiebedarf und den Verbrauch von Betriebsmitteln senken, wieder verwertbare Baustoffe und Bauteile einsetzen, Transportkosten vermeiden, die verwendeten Materialien in den natürlichen Stoffkreislauf gefahrlos zurückführen, Nachnutzungsmöglichkeiten, Naturräume schonen und Flächen sparendes Bauen

Alte Flächen neu bespielt

Klimawandel, steigende Energiepreise und schwindende Ressourcenvorräte: Ökologie gilt als eine der drei Hauptsäulen der Nachhaltigkeit. Sie beinhaltet die Aspekte Ressourcenschonung, Schutz der globalen und lokalen Umwelt und der Reduzierung des Gesamtenergiebedarfs des Gebäudes.
Da das wichtigste Ziel des nachhaltigen Bauens eine möglichst lange Lebensdauer eines Gebäudes ist, wird auch die Nachnutzung von Gebäuden mitgedacht. Dadurch kann die Flächeninanspruchnahme durch Neubauten verringert werden - und somit der Verlust des natürlichen Lebensraums für Flora und Fauna und das Artensterben. Auch die Versiegelung von Flächen wird minimiert, die die Grundwasserneubildung stört und die Gefahr von Hochwasser steigert. Beispielsweise durch das Flächenrecycling kann Brachland, wie etwa ungenutzte Industrie- und Gewerbegebiete oder Militärstandorte, erneut genutzt werden. Eine lange Nutzungsdauer wird gewährleistet, wenn Mehrfachnutzung möglich ist und sich die Gebäude ohne grossen baulichen Aufwand an veränderte Nutzungsarten anpassen lassen. Meist ist der Umbau bestehender Gebäude deutlich energieschonender als ein Neubau.

Auf die Materialien kommt es an

Wesentliche Kriterien für Energieeffizienz sind die Gebäudeform, die Gebäudeausrichtung, die Wärmedämmung und der Einsatz von regenerativen Energien. Je kompakter die Bauweise desto geringer der Heizwärmebedarf. In der Hauptausrichtung sind die grössten Fensterflächen des Gebäudes im Süden angeordnet, um so die natürliche Sonnenenergie optimal zu nutzen.

«Je kompakter die Bauweise desto geringer der Heizwärmebedarf»

Auch das Dach ist nach Süden hin ausgerichtet, wodurch eine Solaranlage optimal genutzt werden kann. Für die Wärmedämmung wird meist ein Dämmstoff an der Aussenwand des Gebäudes befestigt. Die beste Ökobilanz verzeichnen expandiertes Polystyrol, Steinwolle und Kork. Eine weitere Massnahme gegen Wärmeverlust ist die Wärmeschutzverglasung aus zwei oder drei Scheiben. Der Energiebedarf wird zudem durch Einsatz erneuerbarer Energien wie Solarenergie, Geothermie und Biomasse - seltener Wind- und Wasserkraft - reduziert. Der Einsatz regenerativer Energien trägt zur Verringerung des Primärenergiebedarfs und der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen bei.
Um Ressourcen zu schonen werden beim nachhaltigen Bauen Bauteile eingesetzt, die mit einem geringen Energieaufwand und möglichst aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt sind - beispielsweise Holz und Lehm. Die Transportwege der Baustoffe zu ihrem Einsatzort sind möglichst kurz. Bei einem Rückbau des Gebäudes können nachhaltige Bauprodukte wiederverwertet werden. Stark reduziert werden etwa Halogene, oder Schwermetalle wie Zink, Chrom, Kupfer und Blei. Diese Stoffe zeigen ihre negative Wirkung, wenn die Materialien längerfristiger Witterung ausgesetzt sind. Dagegen sind nachhaltige Baustoffe emissionsarm, besitzen geringe negative Auswirkungen auf die globale und lokale Umwelt und sind zudem nicht gesundheitsschädlich.