Mobilität

Fortbewegung neu gedacht

Von Tobias Lemser · 2019

Mobilität treibt uns an, bewegt uns. Die Herausforderung der ­Zukunft sind vor ­allem die Herausforderungen einer intelligent vernetzten, individuellen und umweltverträglicheren Fortbewegung.

Alternative Antriebe, vernetzte Fahrzeuge, selbstständig fahrende Autos, Flugtaxis: Wie sieht unsere Mobilität in der Zukunft aus? Darauf gibt es bereits Antworten in Form von Lösungen, aber auch neuen Ideen und innovativen Projekten. Wie sie auf jeden Fall gestaltet sein sollte, ist umweltverträglicher, denn der Verkehr ist einer der Hauptursachen für Treibhausgasemissionen, sprich CO2. Es wird bei der Verbrennung von Treibstoffen wie Benzin, Diesel oder Kerosin, aber auch von Brennstoffen wie Heizöl und Erdgas ausgestossen. Die Folge: Der natürliche Treibhauseffekt wird verstärkt, was zu einer Erwärmung der Erde führt. Verkehr: magere Bilanz bei CO2-Emissionen Ganze 32 Prozent der Treibhausgase gehen in der Schweiz auf das Konto des Verkehrs, exklusive Flugverkehr. Insgesamt haben Autos und Lastwagen im Jahr 2017 rund 15 Millionen Tonnen CO2 verursacht. Das ist ein Prozent mehr als 1990. Heisst: In diesem Sektor hat sich bei den CO2-Emissionen nichts getan. Im Gegensatz dazu konnten Gebäude und Industrie ihre Emissionen seit 1990 senken – um 26 und 18 Prozent.
 

Als Grund für das magere Ergebnis in puncto Verkehr gilt der durch das Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum bedingt wachsende Güter- und Personenverkehr, insbesondere der Flugverkehr. Unterm Strich stehen die Chancen, dass die Schweiz bis 2020 ihr Klimaziel – eine Reduktion der Treibhausgase um 20 Prozent gegenüber 1990 – erreicht, sehr gering. Denn bis heute sind die Emissionen gerade einmal um zwölf Prozent gesunken. Nicht nur alternative Antriebs­technologien gefragt Und mit Blick auf beispielsweise die Klimaziele des Pariser Abkommens muss die Schweiz ordentlich Gas geben – wenn in Form eines motorisierten Transportmittels, am besten mit alternativen Antriebstechnologien. 

Wussten Sie schon, dass...

… in 2018 in der Schweiz 6,1 Millionen motorisierte Strassenfahrzeuge immatrikuliert (ohne Motorfahrräder) waren? Verglichen mit dem Jahr 2000 entspricht dies einer Zunahme von 33 Prozent. 
… im Jahr 2018 auf den schweizerischen Nationalstrassen 25‘366 Stau-stunden registriert worden sind? Im Vergleich mit 2009 kommt dies einer Verdoppelung gleich, wobei in erster Linie die Staus wegen Verkehrsüber-lastungen zugenommen haben. 
… wenn die weltweiten Treibhausgasemissionen weiterhin ungebremst an-steigen, bis zur Mitte des 21. Jahrhunderts laut Klimaszenarien die jahres-zeitlichen Mitteltemperaturen in der Schweiz um etwa zwei bis 3,3 Grad Celsius zunehmen dürften? 
Quellen: Bundesamt für Statistik, www.bfs.admin.ch (Stand 24. 09. 2019), Bundesamt für Umwelt (BAFU), www.bafu.admin.ch (Stand 18. 09. 2019)

Welcher Rohstoff die Mobilität der Zukunft antreiben wird ist noch unklar. Ausserdem ist damit nicht gelöst das Problem von Staus, von mit Fahrzeugen verstopften Städten, Infrastrukturen, die jetzt schon an ihre Grenzen stossen. Was es parallel braucht, ist ein attraktiver Öffentlicher Personennahverkehr (ÖV) und neue Mobilitätskonzepte. Während in Deutschland schon fast ein alter Hut, ist Carsharing in der Schweiz noch in der Nische – allerdings mit viel Potenzial, das bislang nur in den Städten genutzt wird. Verkehrsmittelmix clever vernetzt Mobility-Experten sehen denn auch in einem Mix aus verschiedenen Verkehrsmitteln die Zukunft. Heisst: Man nimmt zum Beispiel für längere Strecken den Zug und steigt vor Ort auf ein Carsharing-Fahrzeug, Velo oder E-Trottinette um. Alles lässt sich komfortabel von überall aus mittels App kombinieren, buchen und bezahlen. Solange aber die Kosten für ein eigenes Auto, wie zuletzt, sogar sinken, und der ÖV regelmässig mit Preisaufschlägen um die Ecke kommt, sind für viele Autobesitzer die Alternativen eben keine echten Alternativen. So bedeutet Mobilität der Zukunft eben nicht nur ein Umdenken, sondern auch ein Loslassen alter Gewohnheiten.