Green Finance

Frischer Wind im Bankensektor

Von Tobias Lemser · 2018

Nachhaltigkeit im Finanzbereich spielt sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene eine immer grössere Rolle. Warum dieses Engagement so wichtig ist und was Finanzinstitute und Staat tun.

Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht über das Thema Nachhaltigkeit diskutiert wird. Ob im ökologischen Landbau, fairen Handel oder bei der ressourcenschonenden Energieerzeugung: Bereiche, die eng mit dem Nachhaltigkeitsgedanken zusammenhängen.

Finanzbranche erkennt Ernst der Lage

Doch mal ehrlich: Wer bringt schon den Finanzsektor mit nachhaltigem Handeln in Verbindung? Eine Branche, in der stets die finanzielle Rendite stimmen muss und Umweltaspekte und soziale Verträglichkeit in der Regel kaum Beachtung finden – bislang zumindest. Denn die Finanzbranche hat erkannt, dass auch sie einen Beitrag zum ökologischen Gleichgewicht leisten muss. Stichwort: Green Finance, das für die Finanzierung von Investitionen mit einem gezielten Benefit für die Umwelt steht. Beispielhaft hierfür sind die effizientere Gewinnung von Energie aus natürlichen Ressourcen sowie Massnahmen, um die Umwelt weniger zu verschmutzen und Ökosysteme zu erhalten respektive wiederherzustellen. Auch auf der Agenda: Der Schutz von Biodiversität sowie die Reduzierung von Treibhausgasemissionen – alles mit dem Ziel, den Klimawandel in den Griff zu bekommen. Treiber hierfür sind die Ziele für Nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals) der Vereinten Nationen sowie die Einrichtung der Green Finance Study Group durch die G20-Staaten – ganz abgesehen von dem 2015 erzielten Pariser Klimaabkommen, bei dem nationale Zielvereinbarungen zur Reduktion von Kohlendioxid vereinbart wurden.

Chancen und Risiken

Klar ist: Ohne verstärkte Investitionen in grüne Industrien, Projekte und Technologien sind diese Vorgaben kaum zu erzielen. Wie das gehen soll? Unternehmen anderem mithilfe innovativer Finanzprodukte wie Green Bonds. Sie ermöglichen es, ohne Renditeverlust direkt in nachhaltige Projekte zu investieren. Doch nicht nur mit diesem Aspekt befasst sich nachhaltiges Finanzwesen: Ebenso von Bedeutung sind die Kosten und Risiken, die für die Finanzwirtschaft durch den Klimawandel und den angestrebten Übergang in eine kohlenstoffärmere Wirtschaft entstehen.
So ist es zum Beispiel möglich, dass Geschäftsmodelle im Bereich der Erdölförderung zur Diskussion gestellt werden.

Nachhaltiges Anlegen im Trend

Auch bei immer mehr Anlegern ist das Thema Sustain­ability bereits angekommen. Wie eine Umfrage der Investmentgesellschaft Schroders unter mehr als 22‘000 Investoren in 30 Ländern ergab, hat bei gut drei Viertel der Teilnehmer das Thema nachhaltiges Anlegen heute mehr Bedeutung als noch vor fünf Jahren. 64 Prozent bestätigten, ihre Anlagen in Nachhaltigkeitsfonds in den vergangenen fünf Jahren aufgestockt zu haben. Dass auch dem Staat Green Finance wichtig ist, zeigt die aktive Beteiligung an den Arbeiten der zuständigen internationalen Finanzorganisationen. Ihr Anliegen ist es, in diesem Bereich eine sowohl national wie international stimmige Politik zu betreiben. Dank ihrer Expertise im Umweltbereich – gekoppelt mit günstigen Rahmenbedingungen und einem starken Finanzsektor – hat die Schweiz somit beste Voraussetzungen für langfristige Wettbewerbsvorteile im Bereich der nachhaltigen Investitionen. 

Test für Pensionskassen

und Versicherer Ob ihre Aktien- und Unternehmensanleihen mit dem international vereinbarten Klimaziel kompatibel sind, konnten alle Schweizer Pensionskassen und Versicherungen in einem Pilottest zur Analyse der Klimaverträglichkeit von Finanzportfolios überprüfen. Initiiert wurde der 2017 entwickelte Test vom Bundesamt für Umwelt und vom Staatssekretariat für internationale Finanzfragen. Ergebnis: Die heutigen Investitionen unterstützen eine Klimaerwärmung von vier bis sechs Grad Celsius – deutlich zu viel, strebt doch das Klimaabkommen von Paris eine Begrenzung der Erwärmung auf unter zwei Grad Celsius an. Jedoch gibt es grosse Unterschiede zwischen einzelnen Versicherungen und Pensionskassen. Einige investieren bereits klimaverträglich, andere immerhin in bestimmten Sektoren oder Anlageklassen. Zusätzlichen Handlungsbedarf gibt es hin­sichtlich der Berücksich­tigung weiterer umweltbezogener Risiken und Chancen bei Finanzierungs- und Investitionsentscheiden. Wie sagte doch Barack Obama: «Wir sind nicht die letzte Generation, die den Klimawandel erleben wird, aber wir sind die letzte Generation, die etwas dagegen tun kann.»