Nachhaltigkeit

Für eine sichere Zukunft

Von Nadine Effert · 2019

Das Prinzip der Nachhaltigkeit besagt, dass nicht mehr verbraucht werden darf, als jeweils nachwachsen, sich regenerieren und künftig wieder bereitgestellt werden kann.

Globalisierung, Klimawandel, rasante demographische und technologische Veränderungen: Das Thema Nachhaltigkeit durchdringt immer mehr Bereiche des Lebens. Schlagwort ohne Inhalt oder gelebte Praxis?

Wie gut, dass es Förster gibt. Sie passen aufs Wild auf, kümmern sich um kleine Bäume und achten darauf, dass wir unsere Wälder nicht auf einen Schlag abholzen. Und ihre Zunft hat, das dürfte sich derweil herumgesprochen haben, den Begriff der Nachhaltigkeit in die Welt gesetzt. Als «Vater» der Nachhaltigkeit wird der Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz (1645–1714) gehandelt. Seine Anweisung: Es solle in einem Wald nur so viel abgeholzt werden, wie der Wald in absehbarer Zeit auf natürliche Weise regenerieren kann, sodass noch etwas übrig bliebe für später. Dies zeigt, worum es bei der Nachhaltigkeit geht: um den langfristigen Erhalt eines natürlichen Systems in seinen wesentlichen Eigenschaften, ums Wirtschaften und um Verantwortung. Verantwortung für das Gut an sich, aber auch für die folgenden Generationen.

Credo des 21. Jahrhunderts

Womit wir beim Thema wären. Spätestens seit dem Beginn der Neunzigerjahre des vergangenen Jahrhunderts ist die Idee der Nachhaltigkeit nicht mehr wegzudenken aus Wirtschaft und Gesellschaft. Damals hat man erkannt, dass das Konzept die Chance bietet, bis dato widerstrebende Entwicklungen zu vereinen. Umweltschützer und Verfechter einer gerechten globalen Arbeitswelt standen den Protagonisten einer am kurzfristigen Gewinn orientierten Wirtschaft gegenüber. Doch alarmierende Daten zur Erderwärmung oder dem Artensterben einerseits, das Aufkommen wirtschaftlicher Potenziale, etwa der erneuerbaren Energien, andererseits, liess beide Seiten erkennen, dass die ökologischen, ökonomischen und sozialen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts nur gemeinsam zu lösen sind. Seit der UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung, die 1992 in Rio de Janeiro stattfand, ist die nachhaltige Entwicklung als globales Leitprinzip akzeptiert.

Nachhaltigkeit als Verfassungsziel

Politisch für alle sichtbar schlägt sich das hierzulande in den seit 1997 festgelegten Strategien nieder, in denen der Bundesrat seine politischen Absichten zur Umsetzung der nachhaltigen Entwicklung in der Schweiz festlegt – zuletzt im vergangenen Jahr für die Jahre 2016 bis 2019. Auch hat sich die Schweiz der «Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung» der Vereinten Nationen verpflichtet. Und dann wäre da noch die aktuell heiss diskutierte Energiestrategie 2050, die den Weg aus der nuklearen Energieproduktion und den Emissionen von Treibhausgasen ebnen soll, und über die das Schweizer Volk im Mai 2017 abstimmen wird. Die Schweiz gilt mit ihren Zielen als mitunter ehrgeiziges Land in puncto Nachhaltigkeit. Die Frage ist nur: Was heisst das eigentlich für uns alle? Ganz einfach: Wir werden alle zu Förstern.

Mehr als ein Trend

Fakt ist: Die Schweizer wünschen sich laut Umfragen ein Land, in dem ökonomische, ökologische und soziale Verantwortung grossgeschrieben wird. Immer mehr Menschen schärfen ihr Bewusstsein bezüglich ihres Konsumverhaltens, kaufen regionale Produkte, trinken Kaffee aus nachhaltigem Anbau, steigen auf Öko-Strom um oder kaufen sich einen Stromer. Die Verantwortung fängt im Kleinen an, bei jedem von uns. Politik und Wirtschaft müssen weiter mitziehen. Es geht darum, uns nicht den Ast abzusägen, auf dem wir sitzen. In der Wirtschaft gehört es heutzutage zum guten Ton, Nachhaltigkeit zu leben. Viele Unternehmen haben ihre eigene Corporate-Social-Responsibility-Abteilung (CSR), und inzwischen veröffentlicht rund die Hälfte aller Unternehmen in der Schweiz alljährlich einen mehr oder weniger umfangreichen Nachhaltigkeitsbericht für die Öffentlichkeit. Wer auf Nachhaltigkeit und CSR Wert legt, profitiert auch wirtschaftlich im Sinne von Image-, Kosten- und Wettbewerbsvorteilen sowie einer besseren Zukunftsfähigkeit. Nachhaltigkeit ist letztendlich ein Paradigma, das zwangsläufig alle ökologischen, ökonomischen und sozialen Bereiche durchdringt – unabhängig aller Zahlenbeispiele. Man muss kein Weltverbesserer sein, um zu erkennen, dass sich ressourcen- und umweltschonendes Wirtschaften schlichtweg lohnt – und zwar langfristig, im Sinne der Kundenansprüche sowie der Umwelt und den folgenden Generationen zuliebe.