Elektromobilität

Gas geben mit Strom

Von Nadine Effert · 2016

Sie sind leise, energieeffizient und umweltschonend: Elektroautos.
Und dennoch: Mainstream sind sie noch längst nicht – auch nicht in der Schweiz.
An welchen Stellen es hapert und was getan werden sollte, um den Weg in eine elektrische Zukunft zu ebnen.

Elektromobilität ist eine Schlüsseltechnologie für einen klimafreundlichen Verkehr. Beim Elektrofahrzeug gibt es vor allem Einsparpotenziale beim Primärenergieverbrauch. Das «Schweizer Forum Elektromobilität» rechnet vor: Ein E-Auto benötigt nur 27 Prozent der Energie eines Dieselautos, um zu fahren. Wenn zehn Prozent der vier Millionen mit Diesel oder Benzin betriebenen Fahrzeuge in der Schweiz durch einen Stromer ersetzt würden, könnten jährlich rund 360 Millionen Liter Treibstoff und 830'000 Tonnen CO2 eingespart werden. Dafür würde lediglich etwa ein Prozent der heutigen schweizerischen Stromproduktion benötigt. Die Voraussetzung, um die Potenziale der Elektromobilität optimal zu nutzen, kann man ganz simpel auf den Punkt bringen: Sie muss im Alltag ankommen. Dafür bedarf es eines entsprechenden öffentlichen Strom-Tankstellennetzes, welches in der Schweiz im Vergleich zu anderen Ländern sehr gut aufgestellt ist, und schlichtweg Menschen, die Elektrofahrzeuge kaufen und nutzen. Nicht zu vergessen, dass Elektromobilität nur dann einen substanziellen Beitrag zur Erfüllung der Klimaschutzziele leistet, wenn der nötige Strom aus erneuerbaren Energien stammt.

Zahlen im Vergleich zufriedenstellend

Insgesamt 7'531 E-Autos und 48'508 Hybridfahrzeuge bewegen sich auf Schweizer Strassen von A nach B. Das entspricht bei insgesamt 4,46 Millionen zugelassenen PW einem Anteil von rund 1,3 Prozent. Das scheint im ersten Moment nicht viel. Doch schaut man über die nördliche Grenze hinweg nach Deutschland, steht die Schweiz in puncto Elektromobilität besser da: Im Nachbarland kurven aktuell rund 25'000 Elektrowagen und knapp über 130'000 Hybridautos herum – das entspricht einem Anteil von gerade einmal 0,26 Prozent. Kein Wunder, dass die deutsche Regierung jüngst ein Förderprogramm lanciert hat, mit dem der Verkauf der umweltschonenden Fahrzeuge angekurbelt werden soll. Das Ziel: Bis 2020 sollen insgesamt 400`000 neue Fahrzeuge mit dem alternativem Antrieb auf den Strassen der Bundesrepublik unterwegs sein. 

Marktdurchdringung beschleunigen

Und in der Schweiz? Laut Swiss E-Mobility müsse – trotz der guten Bilanz – Elektromobilität vom Bund aktiver gefördert werden, insbesondere in Hinblick auf dessen Energiestrategie und der festgelegten CO2-Reduktionsziele. Der Interessenverband setzt dabei auf ein Bonus-/Malus-System, bei dem «umweltschonende Neuwagen vergünstigt und dafür umweltbelastende verteuert werden und welches aufkommensneutral gestaltet ist». Dieses System führe zu keinem zusätzlichen Einsatz öffentlicher Mittel und wirke dennoch als eine Form des Kaufzuschusses für emissionsarme Fahrzeuge. Aktuell sieht die Förderung so aus: Elektrofahrzeuge sind von der Automobilsteuer, das sind vier Prozent des Fahrzeugpreises, befreit und von Mineralölsteuern und Zuschlägen ausgenommen. Ausserdem gewähren mehrere Kantone eine Reduktion der Motorfahrzeugsteuer oder verzichten ganz auf eine Besteuerung. Massgebend für die Rabatte sind die gesetzlichen Regelungen der jeweiligen Kantone – und die fallen sehr unterschiedlich aus. 

Preis ist ein Hemmschuh 

Den Absatz über eine Lenkungsabgabe auf den Preis von Neuwagen anzukurbeln, wie von Swiss
E-Mobility gefordert, scheint eine durchaus sinnvolle Massnahme zu sein. Noch sind Elektro- und Hybridautos in der Anschaffung für viele potenzielle Nutzer zu teuer. Der hohe Preis, der zu einem Drittel auf das Konto der teuren Batterie geht, hält sie vom Kauf ab und gerne wird bei der Kaufentscheidung ausgeklammert, dass Fahrzeuge mit alternativer Antriebstechnologie langfristig gesehen günstiger sind. Die Gründe: tiefere Betriebskosten aufgrund günstigeren Treibstoffs und Unterhalts sowie teils Steuervergünstigungen und bessere Versicherungskonditionen. 

Fazit: Damit die Elektromobilität tatsächlich in unserem Alltag ankommt, muss noch viel passieren – in den Köpfen der Fahrzeuglenker, beim Bund, der sich Gedanken über eine sinnvolle Förderung macht, anstatt eine Pauschalbesteuerung für Elektrofahrzeuge ab 2020 zu planen, und bei den Fahrzeugherstellern, die zum Beispiel die in diesem Jahr gesunkenen Preise für E-Batterien an den Kunden weitergeben.