Alternativer Transport

Sauber unterwegs

Von Bettina Weigand · 2015

3’000 Elektroautos sind bereits in der Schweiz gemeldet – Tendenz steigend.

Der CO2-Ausstoss des Verkehrssektors ist enorm, ihn zu senken ist eine wichtige Herausforderung der kommenden Jahre.
Ideen dazu reichen vom selbst fahrenden Auto bis zur Entschleunigung des Transportwesens.

Das Verkehrsaufkommen in der Schweiz wächst: Im Jahr 2014 waren 5,8 Millionen motorisierte Fahrzeuge unterwegs gegenüber dem Jahr 1980 bedeutet dies eine Zunahme von 114 Prozent. Die Folge: Über ein Drittel des nationalen Energieverbrauchs entfällt auf das Konto des Verkehrs, er ist damit der Sektor mit dem grössten Energieverbrauch, noch vor Privathaushalten und Industrie. Dadurch fällt ein hoher CO2-Ausstoss an. Im Jahr 2013 belief sich dieser im Transportsektor auf 16,1 Millionen Tonnen, rund 38 Prozent aller Emissionen.

Mit dem Ziel, die Emissionen in der Schweiz auf 20 Prozent unter den Stand von 1990 zu senken, erhebt der Bund eine CO2-Abgabe von derzeit 60 Franken pro Tonne. Abgaben wie diese und finanzielle Sparanreize fördern die Innovationsbereitschaft von Logistik- und Transportunternehmen und Kommunen und bringen auch Einzelpersonen zum Umdenken.

Vom Elektro- zum Roboter-Taxi

Immerhin 3'000 Elektroautos sind bereits in der Schweiz gemeldet, und stetig werden es mehr. Wobei die Fahrzeuge nur dann wirklich als klima-freundlich gelten können, wenn der Strom, den sie verbrauchen, aus erneuerbaren Energiequellen wie Solarstrom stammt. Die Einführung serienmässig hergestellter CO2-neutraler Wasserstoffautos steht den Schweizern kurz bevor, allerdings stehen Käufern vorerst nur zwei Tankstellen zur Verfügung.
In Sachen Individualverkehr sind zwei weitere Bereiche derzeit spannend: Carsharing und das fahrerlose Auto. Der Vorteil des Carsharing gegenüber einer klassischen Autovermietung ist die Spontanität, fast wie beim eigenen Auto. Im Idealfall kommt der Nutzer jederzeit an ein Fahrzeug ran und kann es dort parken, wo er möchte. Eine andere Variante ist das private Carsharing: Über professionell aufgesetzte Online-Plattformen können auch private Autobesitzer ihre Fahrzeuge vermieten, anstatt sie ungenutzt herum stehen zu lassen.
Sie sollen in zehn Jahren Standard sein: computergesteuerte Autos, die ohne Fahrer auskommen und uns von A nach B bringen. Ein einziges sogenanntes Roboter-Taxi könnte in naher Zukunft neun herkömmliche Autos ersetzen, prognostiziert Branchenanalyst Brian Johnson von der Barclays-Bank in einer im Mai veröffentlichten Studie. Innerhalb der kommenden 25 Jahre könnte der Autoabsatz in den USA dadurch von derzeit 16 Millionen auf 9,5 Millionen Fahrzeuge im Jahr reduziert werden.

Bahn und Bus tragen Verantwortung

Weil Mobilität nicht nur Voraussetzung für wirtschaftliches Wachstum ist, sondern auch für die Teilhabe des Einzelnen am Erwerbs- und gesellschaftlichen Leben, muss sie auch künftig für jeden bezahlbar bleiben. Daher fällt Bahn- und Busunternehmen eine grosse Verantwortung zu. So kommen testweise bereits in einigen Städten Elektrobusse zum Einsatz. Eine Weltneuheit wird der Kanton Genf ab Dezember 2016 einsetzen: Elektrobusse, die ihre Batterie auf dem Dach nicht über Oberleitungen aufladen, sondern an den Haltestellen. 94 Prozent der Energie soll aus erneuerbaren Energiequellen stammen. Auch die Schweizerische Bundesbahnen planen, künftig nachhaltiger unterwegs zu sein: Bis 2025 will der Betrieb nicht nur 20 Prozent seines aktuellen Jahresverbrauchs einsparen, sondern auch komplett auf erneuerbare Energien umstellen.
Das würde auch dem CO2-Fussabdruck des Güterverkehrs verringern, der zu über 30 Prozent auf der Schiene stattfindet. Obwohl das im europäischen Vergleich viel ist, strebt der Bund eine Verschiebung des Modalsplits, also der Verteilung des Transportaufkommens im Güterverkehr, noch weiter in Richtung Bahn an.

«Grüne Logistik» rückt in den Fokus

Zunehmend rückt das Thema Nachhaltigkeit in den Fokus der Transport- und Logistikbranche. Immerhin verursacht allein die Logistik über 5,5 Prozent aller Treibhausgasemissionen weltweit. Unter dem Stichwort «Grüne Logistik» werden Strategien erarbeitet, diese Emissionen zu verringern. Immer ausgefeiltere Software ermöglicht es, Strecken, Fahrzeuge und Lager effizienter zu nutzen. Ein weiteres Einsparpotenzial liegt in gezielten Fahrertrainings und Kooperationen zwischen Transportunternehmen.
Ein ganz anderer Vorschlag kommt hingegen vom Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik in Dortmund. Die Autoren einer Studie aus diesem Haus schlagen vor, Lieferketten und Transporte zu entschleunigen, um dadurch Ressourcen zu sparen. Eine Strategie, die vielen sympathisch erscheinen mag, doch im täglichen Kampf um Kunden und Marktvorteile wird diese wohl kein Unternehmen freiwillig in die Tat umsetzen.