Alternative Antriebstechnologien

Was fährt uns aus dem Klima-Dilemma?

Von Tobias Lemser · 2019

Reine Benzin- und Dieselfahrzeuge bekommen immer mehr Konkurrenz durch alternative Antriebs­technologien. Einen kla­ren Punktsieger gibt es ­bislang jedoch noch nicht. Forschung und Industrie sind gefragt.

Es ist eine der grössten Herausforderungen, vor denen die Schweiz jemals stand: Wie können wir einen signifikanten Teil zum weltweiten Klimaschutz beitragen? Dass viele Schweizer dieses hochaktuelle Thema beschäftigt, zeigt die sogenannte Gletscher-Initiative, die bereits mehr als ein Jahr vor Fristende über 120.000 Unterschriften erzielt hat und damit eine Volksabstimmung bewirkt. Eines der Ziele: die Treibhausgasemissionen der Schweiz bis 2050 auf Null zu senken.
Wie der Initiativtext verlangt, dürften ab dann hierzulande keine fossilen Brenn- und Treibstoffe mehr in Verkehr gebracht werden. Ein ehrgeiziger Plan, dem die Schweiz nur durch einschneidende Veränderungen im Bereich Mobilität näherkommen kann. Emissionen weiter auf hohem Niveau Dass es dringenden Handlungsbedarf gibt, machen die jüngsten Zahlen des Bundesamts für Umwelt deutlich: Demnach stagnierte der CO2-Ausstoss aus Treibstoffen im Jahr 2018 auf dem Vorjahreswert von 3,3 Prozent über dem Ausstoss von 1990. Schuld war neben dem wachsenden Privatverkehr eine Zunahme an emissionsintensiven Personenwagen. Dass die Emissionen nicht höher lagen, ist insbesondere auf den zunehmenden Einsatz biogener Treibstoffe und den wachsenden Anteil der Elektromobilität am Strassenverkehr zurückzuführen.

Dieser steigt seit dem Jahr 2010 kontinuierlich an. Rund 19.200 elektrisch betriebene Personenkraftwagen waren laut Statista im vergangenen Jahr schweizweit für den Strassenverkehr zugelassen. E-Autos gefragt wie nie Tendenz stark steigend, was die aktuellsten Zahlen der Vereinigung Schweizer Automobil-Importeure für die erste Jahreshälfte 2019 untermauern: Knapp 6‘000 Modelle mit Elektro-Antrieb setzten die Hersteller in der Schweiz ab. Im gesamten Jahr 2018 lag die Zahl bei lediglich rund 5’400 Fahrzeugen mit reinem E-Antrieb. Bezieht man in die Daten sämtliche Fahrzeuge mit Vollhybrid-, Plug-in-Hybrid-, Elektro-, Erdgas- oder Wasserstoffantrieb ein, belaufen sich die Verkaufszahlen sogar auf insgesamt 16’700 – eine Zunahme von rund 68 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Hinsichtlich des Gesamtmarkts kletterte der Anteil von Autos mit diesen alternativen Antriebsarten von 6,3 auf nunmehr 10,6 Prozent. Ohne Lithium läuft nichts Kein Zweifel, dass bei diesen Werten Verkehrs­planer grosse Hoffnung in die E-Mobilität setzen. 

E-Autos

Rund 19’200 E-Autos waren im Jahr 2019 schweizweit für
den Strassenverkehr zugelassen.

Wenn da nicht die Frage rund um die Energiespeicherung wäre. Fakt ist: Moderne Elektroautobatterien benötigen Lithium und Kobalt. Beide Metalle sorgen in der Batterie für eine hohe Energiedichte, die sich als Kraftspender für E-Autos auszahlt. Problem allerdings: Die Lithiumgewinnung, die sich zu einem grossen Teil in Südamerika, wie beispielsweise in der nordchilenischen Atacama-Wüste abspielt, wirkt sich unmittelbar auf die Wasserreserven der gesamten Region aus. Vielerorts droht sogar der Zusammenbruch des gesamten Ökosystems. Ganz abgesehen von den harten Arbeitsbedingungen, unter denen viele Arbeiter, wie etwa im Kongo, beim Abbau von Kobalt leiden – gravierende Missstände, welche sich die Automobilindustrie schnellstmöglich auf die Agenda setzen und einschreiten sollten, um Zweifler auf ihre Seite zu ziehen. Wasserstoff: Antrieb der Zukunft? Was also tun? Alternativ gibt es die ebenso als klima- und umweltschonend geltenden Erd- und Biogas-Autos. Kaum Schadstoffe, wie Feinstaub oder Stickoxide, eine gute Reichweite, aber auch Alltagstauglichkeit und Modellvielfalt überzeugen viele Besitzer. Dennoch fristen Erd- und Biogas-Autos immer noch – auch aufgrund mangelnder Tanksäulen – ein Nischendasein.

Zu Unrecht, wie viele Experten behaupten. Eine weitere Option wäre der Griff zum Wasserstoff-Auto. Vorteil: Diese Fahrzeuge, die zum Antrieb eine Brennstoffzelle benötigen, fahren emissionslos und sind somit umweltfreundlicher als normale E-Autos. Zudem punktet der Wasserstoff-Antrieb insbesondere aufgrund seiner Reichweite, die im Vergleich zu mit Akkus betriebenen Fahrzeugen deutlich höher ist. Allerdings ist die Wasserstofftechnologie noch teuer und hierzulande kaum verbreitet. Bleibt vor allem die Hoffnung auf die Forschung, um die Technologie so weiter zu entwickeln, dass sie für eine breite Masse attraktiv wird. Egal, welche Variante infrage kommt: Gerade in Zeiten des Klimawandels ist jedes klimafreundliche Auto willkommener denn je.