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Unternehmensbeitrag / Interview

«Wir bestimmen am Ursprung, was wir unter Qualität und Nachhaltigkeit verstehen»

Von Coop · 2016

Trocknungsanlage von COPRACAJUL, eine der grösseren Kooperativen in Honduras.

Die Schweizer Premium-Schokoladenherstellerin Chocolats Halba erzielt rund die Hälfte ihres Umsatzes mit nachhaltig gelabelten Produkten. Anton von Weissenfluh über die Relevanz von Beschaffungssicherheit und nachhaltigen Kakaoanbau.

Inwiefern ist eine nachhaltige Chocolats Halba für Coop relevant?

Wir sind eine 100-prozentige Tochter von Coop, die bereits mehrmals eine Auszeichnung für ihr nachhaltiges Engagement erhalten hat.Coop verfolgt die Vision «CO2-neutral bis 2023» auf allen Ebenen. Dass daher auch Chocolats Halba eine Pionierrolle in puncto Nachhaltigkeit einnimmt, ist eine logische Konsequenz der nachhaltigen Unternehmensphilosophie von Coop. Zudem legen die Kunden und Konsumenten immer mehr Wert auf Transparenz und Glaubwürdigkeit. Eine direkte Wertschöpfungskette ist für uns deshalb sehr wichtig - nebst 100-prozentiger Rückverfolgbarkeit können wir so Nachhaltigkeit wie auch Qualität sicherstellen. Die Beschaffung des Kakaos, der Herstellungsprozess und die Weitergabe der Produkte an die Retailerin liegen komplett in unseren Händen, es gibt keine Zwischenhändler - davon profitieren letztlich auch die Kakaoproduzenten und unsere Kunden. Nachhaltigkeit ist kein Hype, sondern ein Trend. Das sehen wir auch an den Umsatzzahlen: Mehr als 50 Prozent erzielen wir mit Produkten, die eines der Label «Fairtrade», «Bio» oder «Carbon Neutral Product» tragen.

Nachhaltigkeit bedeutet bei Ihnen also die gesamte Wertschöpfungskette in die Strategie einzubeziehen...

In der Tat. Die Wirksamkeit einer nachhaltigen Strategie funktioniert nur, wenn sie auf die gesamte Wertschöpfungskette ausgedehnt ist, sprich vom Kakaoanbau über die Produktion bis hin zum Verkauf und Genuss der Schoggi. Nur so können Innovationen ein Gewicht bekommen und Partnerschaften funktionieren. Das Ziel, nachhaltig Mehrwert zu generieren, kann nicht erreicht werden, wenn nur ein Segment oder Teile der Organisation berücksichtigt werden. Unsere Gedanken, Strategien und Tätigkeiten müssen beim Bauern beginnen und beim Konsumenten enden. So haben wir auch alle Themen, die jetzt und in der Zukunft wichtig sind, auf dem Radar.

Welche Themen sind im Kakaogeschäft gerade aktuell?

Grundsätzlich ist festzuhalten, dass das Kakaogeschäft ein hartes Geschäft ist, das die Gefahr birgt, dass in Zukunft die Nachfrage das Angebot deutlich übersteigen wird. Der Anbau von Kakaopflanzen ist mühsam und wenig erträglich. Der Grossteil des Kakaos, über 90 Prozent, wird von Kleinbauern angebaut, die in der Regel lediglich über eine Anbaufläche von wenigen Hektaren verfügen, wobei die Landrechte oftmals nicht geklärt sind oder «teure» Pachtverträge bestehen. Zudem erzielen sie nur geringe Preise - entweder aufgrund des fehlenden Wissens, was ihre Produkte wert sind, oder aufgrund des hohen Preisdrucks, der in der Wertschöpfungskette herrscht. In Westafrika gehen durchschnittlich nur 40 bis 60 Prozent des Börsenpreises an die Kakaobauern, in Lateinamerika können es bis zu 80 Prozent sein.

Dabei sind dies nicht die einzigen Probleme, mit denen Kakaobauern und folglich auch der Kakaosektor zu kämpfen haben...

Richtig. Des Weiteren verschärfen die mangelnde Organisation der Kleinbauern, die geringe Marktmacht sowie der schlechte Zugang zu Markt und Krediten, die für die Errichtung einer Infrastruktur oder neue Pflanzen nötig sind, die Lebensbedingungen und stehen einem existenzsichernden Einkommen für kleinbäuerliche Kakaoproduzenten und ihren Familien im Wege. Mit der Armut treten andere soziale, ökologische und ökonomische Probleme auf, wie Kinderarbeit, schlechte Arbeitsbedingungen oder ein zunehmender Anbau von Monokulturen, der nur vermeintlich zu höheren Erträgen führt. Gerade die jungen Generationen verlieren als Konsequenz davon immer mehr das Interesse am Kakaoanbau, was das Thema der Beschaffungssicherheit weiter verschärft. Was es innerhalb der Kakaobranche braucht, sind völlig neue Ansätze, wenn Kakaoanbau eine Zukunft haben soll.

Sie erwähnten gerade den Anbau von Monokulturen. Welche alternative Anbauform ist stattdessen ratsam?

Fakt ist, dass mit dem Anbau in Monokulturen nur in den ersten Jahren mehr Früchte geerntet werden können. Sie zerstören die Bodenfruchtbarkeit und erhöhen die Krankheitsanfälligkeit der Bäume, was dazu führt, dass Kakaobäume nur 25 Jahren anstatt bis zu 100 Jahre produktiv sind. Zudem wird in Monokulturen wegen der erwähnten Probleme schnell der Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln notwendig, was für die Kleinbauern Investitionen bedeutet, die sie gar nicht stemmen können. An diesem Know-how mangelt es oft. Unser Ansatz, die vielfältige Problematik im Kakaosektor ganzheitlich und innovativ anzugehen, ist die Agroforstwirtschaft. Dahinter verbirgt sich ein Mischanbau aus Kakao, Fruchtbäumen und Edelhölzern. Dieser wirkt sich nicht nur auf die Produktivität aus. Durch den Verkauf der Edelhölzer können die Bauern auch ihr Einkommen auf lange Sicht vervierfachen, die Biodiversität nimmt zu, Bodenerosion wird verhindert und CO2 wird gebunden. Das alles sind mehr als gute Gründe, warum wir in Zusammenarbeit mit Kakaokooperativen und diversen Projektpartnern Agroforst-Projekte in all unseren Kakao-Ursprungsländern, Peru, Ecuador, Ghana und Honduras lanciert haben. Chocolats Halba setzt sich dementsprechend nicht nur für einen langfristig besseren Lebensstandard der Bauern, sondern auch für einen ökologisch nachhaltigen Kakaoanbau ein.

Austausch über Qualität vor Ort: Arturo Elvir, Präsident der Kooperative ASOPROPIB, mit Daniel Böni, verantwortlich für den Kakaoeinkauf bei Chocolats Halba.

Chocolats Halba bezieht 100 Prozent der Kakaobohnen von Fairtrade-zertifizierten Kooperativen aus Ghana, Ecuador und Peru.
In Honduras haben Sie 2008 zudem ein Projekt lanciert. Warum und mit welchem Ziel?

Honduras ist ein Land mit jahrtausendealter Kakaokultur. Die ursprünglichen Kakaosorten sind die edelsten überhaupt. Nachdem im Jahr 1998 der Hurrikan Mitch weite Teile des Landes und zahlreiche Kakaoplantagen zerstörte, gerieten nicht nur die Existenzen vieler Bauern, sondern auch die alte Kakaotradition in Honduras in Gefahr. Mit dem Ziel, den Kakaosektor in Honduras wieder aufzubauen, ist Chocolats Halba dort aktiv geworden - sei es im Rahmen des Aufbaus der Agroforstwirtschaft, der Schulung der Bauern bezüglich nachhaltigem Anbau und Qualität oder der Bildung von Kooperativen, was 2010 in der Gründung der ersten Kooperative APROSACAO mündete. Angebaut wird die Edelkakaosorte Trinitario - gemeinsam mit Edel- und Obstbäumen -, mit deren Verkauf die Bauern ihr Einkommen diversifizieren und deutlich erhöhen können.

Leonor Gomez von der Kooperative San Fernando mit der bei Coop erhältlichen ersten Bio/Fairtrade Honduras-Schokolade.

Wie stellen Sie sicher, dass Ihre Projekte langfristig Früchte tragen?

Im Fall von Honduras wurde dort 2013 unsere erste Tochterfirma gegründet. Sie hat unter anderem den Auftrag, die Qualität zu sichern und gemeinsam mit den Kooperativen Bauern auszubilden. Ziel ist, dass die Bauern lernen, wie Unternehmer zu denken und zu handeln. Das heisst zum Beispiel auch, dass wir ihnen Zugang zu Kleinkrediten ermöglichen, damit sie notwendige Investitionen in Infrastruktur und Pflanzungen vornehmen können. Dabei verfolgen wir die Devise, dass die Bauern und Kooperativen sich finanziell im Rahmen einer Rückzahlungsverpflichtung beteiligen. Dieses Geld bleibt jedoch vor Ort, da es in einen Fonds fliesst, mit dessen Geldern zum Beispiel neue Kakaopflanzen gekauft werden können.

Was steht ansonsten auf der Nachhaltigkeitsagenda von Chocolats Halba?

Als integrierter Bestandteil der Unternehmensstrategie spielt Nachhaltigkeit, wie eingangs erwähnt, in allen unseren Unternehmensbereichen eine elementare Rolle. So sind wird stetig dabei, unseren ökologischen Fussabdruck zu verkleinern. Dies beinhaltet in erster Linie die Reduktion betrieblicher Treibhausgasemissionen. Im kommenden Jahr beziehen wir unseren neuen Standort in Pratteln, wodurch wir etwa durch die Installation einer Holzschnitzelheizung und bis zu 8`000 Quadratmeter Solaranlagen einen grossen Beitrag zur Erreichung der Coop-Vision beitragen können. Und natürlich werden wir uns auch weiterhin mit Begeisterung unseren Projekten und dem nachhaltigen Kakaoanbau widmen. Auf Transparenz, Qualität und Glaubwürdigkeit können sich Halba-Schoggi-Liebhaber auch in Zukunft verlassen.

Coop – Mehr als 300 Taten statt Worte

Tat Nr. 165: Die erste Fairtrade-Edel­schokolade aus Honduras

  • Das Coop-Tochterunternehmen Chocolats Halba ist die nachhaltigste Schokoladenproduzentin der Schweiz.

Engagement in Honduras

  • 2008 - Startschuss des Projekts in Honduras mit dem Ziel die Jahrtausende alte Kakaotradition wieder zu beleben.
  • 2010 - Gründung der ersten Kleinbauern-Kooperative APROSACAO.
  • 2013 - Gründung der Chocolats Halba
  • Honduras AG

Gemeinsam mit den Projektpartnern Coop und DEZA verfolgt Chocolats Halba in Honduras folgende Ziele:

  • Ausbildung bezüglich nachhaltigem Kakaoanbau und Qualität
  • Vereinfachter Zugang zu Krediten
  • Finanzierungshilfe für Infrastruktur
  • Langfristige Verträge mit fixen Preisen weit über dem Weltmarkt

Seit 2013 ist die erste Fairtrade-Edelschokolade mit der Umstellungs-Knospe von Bio Suisse im Handel erhältlich.
www.coop.ch

Im Interview

Anton von Weissenfluh
CEO Chocolats Halba